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Women in Tech

23/05/2022

Auszug aus dem Women in Tech Interview mit Munich Startup

Das Münchner Startup Nebumind hat eine Software entwickelt, mit der Produktionsunternehmen mehr Transparenz in ihre Fertigung bringen und diese systematisch optimieren können. Die Software sammelt und bereitet dafür Daten so auf, dass Produktionen Qualitätsfehler schneller zurückverfolgen und abstellen können. Gegründet wurde das Unternehmen 2019 von Caroline Albert und Franz Engel. Von Ersterer wollten wir im Interview unter anderem wissen, was sie gerne vor ihrer Gründung gewusst hätte und auf welche Branche sie zukünftig setzen würde.

Munich Startup: Was hat Dich zur Gründung motiviert?

Caroline Albert: Eine eigene Firma hat mich schon immer gereizt, nicht zuletzt da mein Vater Unternehmer ist. Dazu durfte ich in meiner Zeit bei Airbus schon einmal eine Tochterfirma gründen und mit meinem heutigen Co-Founder aufbauen. Das 1×1 des Gründens hat mich also nicht mehr abgeschreckt. Was mir dann den letzten Schubs gegeben hat, ist die Vision von Nebumind. Wissen aus Daten zu generieren, steckt noch in den Kinderschuhen in der Produktionswelt. Ich sehe hier ein riesiges Potential und freue mich bei der Gestaltung der Fabrik der Zukunft dabei zu sein.

Munich Startup: Was hättest du gerne vor Deiner ersten Gründung gewusst?

Caroline Albert: Wie viel Geduld man mitbringen muss, zumindest im Industrieumfeld. Es ist normal, dass nach einem interessanten Austausch das nächste Follow-Up erst in zwei Monaten stattfindet, dass die Unterschrift einer Geheimhaltungserklärung auch mal drei Monate dauert und dass sich der finale Vertragsabschluss über ein Jahr zieht. Gerade am Anfang haben wir unseren Businessplan viel zu optimistisch aufgemalt und immer wieder Projektstarts verschoben.

Wichtig ist aber nicht nur Geduld, sondern auch eine gewisse Penetranz. Wenn sich Firmen nicht zurückmelden, ist das oft kein Desinteresse. Themen gehen einfach unter. Daher kann ich nur empfehlen: Immer am Kunden dranbleiben, bis man sich das „nein“ abgeholt hat.

Munich Startup: Wie ist Dein Unternehmen bislang finanziert?

Caroline Albert: Bisher haben wir uns über Kunden- und Förderprojekte finanziert. Gerade in den ersten zwei Entwicklungsjahren haben wir Kunden angeboten, sie beratend zu unterstützen, beispielsweise bei der Einführung neuer Maschinen oder der Auswertung von Produktionsdaten. Zum einen haben diese Projekte unsere Finanzierung gesichert, zum anderen konnten wir das Feedback aus der Produktion direkt in die Weiterentwicklung unserer Software einfließen lassen.

Ende dieses Jahres wollen wir den nächsten Schritt gehen und unser Wachstum beschleunigen. Daher planen wir im Frühjahr 2023 eine erste Finanzierungsrunde.

Munich Startup: Wann und wo bekommst Du die besten Ideen?

Caroline Albert: Morgens beim Joggen finde ich am meisten Ruhe, um über neue Ideen nachzudenken, und Gedanken zu sortieren. Danach gibt es einen Kaffee auf die Hand und los geht’s.

Munich Startup: Was sind Deine 3 liebsten Arbeitstools?

Caroline Albert: Trello finde ich wunderbar, um meine Woche zu planen, mal schnell ein To-do aufzuschreiben oder mir eine Erinnerung für nächste Woche zu setzen. Miro habe ich erst vor kurzem für mich entdeckt, um Ideen herunterzuschreiben und zu brainstormen. Für interne Prozesse und Abläufe nutzen wir Jira. Wenn man sich mit Jira soweit auskennt, dass man selbst bestimmte Abläufe programmieren kann, ersetzt Jira viele Insellösungen. Für uns ist Jira Salesforce, Datev und Personio in einem, nur billiger und aus einer Hand.

Munich Startup: Dein Top-Tipp zum Thema “Pitchen”?

Caroline Albert: Sich nicht beirren lassen, wenn man einen Investor mal nicht überzeugt hat. Wenn der Markt positives Feedback gibt, ist man auf dem richtigen Weg.

Munich Startup: Erscheint es Dir gerade als eine gute Zeit, um zu gründen? Warum?

Caroline Albert: Es gibt viel Geld am Markt, Investoren sind bereitwillig in neue Ideen zu investieren. Daher ist es sicherlich eine gute Zeit zu gründen. Meiner Ansicht nach sollte man die Finanzierungsmöglichkeiten aber nicht überbewerten. In den letzten Jahren ist ein regelrechter Hype in Deutschland ausgebrochen. Oft wird in sehr frühen Startup-Phasen investiert, wenn noch gar nicht klar ist, ob es einen Markt für das neue Produkt gibt. Startups können dann schnell überbewertet werden.

Für mich ist daher neben den Finanzierungsmöglichkeiten mindestens genauso wichtig, wie gut es dem Markt und potenziellen Kunden geht. In den letzten zwei Jahren haben Industriefirmen sehr gelitten, man hielt sich mit Investitionen in neue Technologien zurück. Für Startups eine fatale Situation, da sie zum einen wenig verkauften, zum anderen wenig Feedback vom Markt bekamen, um ihr Produkt weiterzuentwickeln. Der Markt scheint sich zu erholen, aber noch spiegelt sich der Startup-Hype in der Finanzierungswelt nicht genauso stark in der Industriewelt wider.

Munich Startup: Auf welche Technologie oder Branche würdest Du bei Deiner nächsten Gründung setzen?

Caroline Albert: Ich würde auf Technologien rund um die Auswertung und Verbesserung des CO2-Verbrauchs in Produktionen setzen. Das Thema ist gerade erst im Kommen, neue Regularien zwingen Industrieunternehmen tätig zu werden. Es gibt noch sehr viel Platz für neue Technologien und Lösungen – perfekt für Neugründungen.

Munich Startup: Was könnte aus Deiner Sicht am Gründungsstandort München noch verbessert werden?

Caroline Albert: Büros in München sind extrem teuer. Dadurch, dass viele Leute in den letzten zwei Jahren die Möglichkeit des Homeoffices schätzen gelernt haben und Büros weniger genutzt wurden, stellt sich die Kostenfrage bei Büros immer mehr. Ich warte auf den Gegeneffekt mit fallenden Büromietpreisen, da ich ein Fan von Büros bin. Leider ist der Effekt aber noch nicht eingetreten.

Munich Startup: Welchen Gründer oder welche Gründerin würdest Du gerne einmal persönlich treffen? Und was würdest Du sie oder ihn fragen?

Caroline Albert: Es gibt eine super Biographie von Phil Night, dem Gründer von Nike. Er beschreibt sich selbst als sehr zurückhaltenden Menschen und miserablen Verkäufer. Ich würde ihn gerne über seinen Werdegang, seine Hochs und Tiefs beim Aufbau von Nike ausfragen.